Werdendes Ruhrgebiet
Spätantike und Frühmittelalter an Rhein und Ruhr
Essen 2015
Auf die strenge Struktur des Ausstellungsraums, der durch die Verbindung ehemaliger Kohlebunker zu einem dreischiffigen Raum entstanden war, reagierte die Ausstellungs-Architektur mit Installationen die jeweils über mehrere Raumzellen reichten. Flache Plattformen mit Vitrinen und Exponatträgern führten mäanderartig durch den Raum und ermöglichten eigene, von der Struktur der ehemaligen Kohlebunker gelöste Binnenräume. Der Parcours führte spiralförmig von der rechten über die linke Raumseite in die Raummitte, wo die herausragendsten und wertvollsten Objekte der Ausstellung – frühmittelalterliche Exponate zu den Klöstern Werden und Essen – präsentiert wurden.
Drei Rampen, auf denen archäologische Exponate aus der Frühzeit emporstiegen, bildeten den Auftakt zur Ausstellung. Ein Raster aus Lichtpunkten zog sich durch die gesamte Ausstellung. Das aus lasergeschnittenen Schlitzen austretende Licht ermöglichte ausgedehnte helle Zonen in dem aus konservatorischen Gründen abgedunkelten Raum.
Als Referenz an den Ausstellungsraum, einem Industriedenkmal der „Neuen Sachlichkeit“ aus den späten zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts, wurden Raumteiler aus schwarz gefärbten Industrieketten entworfen, die die einzelnen Stationen gegeneinander abgrenzten. Diese „Kettenvorhänge“ erinnerten einerseits an die gewebten Kettenhemden, mit denen sich die mittelalterlichen Kämpfer zu schützen suchten, andererseits sind Ketten, als Bestandteile von Brücken, Schiffshebewerken und Förderanlagen, eng mit der Geschichte der frühen Industrie- und Verkehrsarchitektur verbunden.
Die Ausstellung stellte sehr hohe logistische und konservatorische Anforderungen an die Gestaltung. Die Versicherungssumme für die über 800 Exponate aus dem 3. bis 11. Jahrhundert, die aus archäologischen Funden, den erste Handschriften und Musikpartituren der Region und sehr seltenen Kirchschätzen bestanden, betrug über 70 Millionen Euro.

Mary Pepchinsky: Mining the Past, in:
Architectural Record, September 2015
Auftraggeber:
Ruhr Museum
Gesamtleitung:
Heinrich Theodor Grütter
KuratorInnen:
Patrick Jung, Reinhild Stephan-Maaser, Kai Jansen
Architektur | Design:
Bernhard Denkinger
Fotos:
Deimel und Wittmar
