Bernhard

Denkinger

Architect

Denkmal Urnengruft Steyr

Steyr 2019

Das Denkmal erinnert an KZ-Häftlinge, die 1940-1941 im Krematorium der Stadt Steyr eingeäschert wurden. Ihre Urnen wurden provisorisch in einem Schuppen gelagert und 1948 in einer Gruft beigesetzt. Später wurde ein asphaltierter Weg angelegt, der über die Gruft hinwegführte. Eine Initiative des Mauthausen Komitee Steyr bewirkte, das die Gruft im Jahr 2011 geöffnet wurde, nach mehrjährigen Recherchen konnten 84 der etwa 800 Urnen ein Name zugeordnet werden. Diese Namen sollten – stellvertretend für alle in der Gruft bestatten Personen – auf einer Gedenktafel aufgeführt werden.

Das Mahnmal wird als ein Kristallisationspunkt interpretiert, an dem sich eine große Zahl individueller Gräber zu einem kollektiven Grab verdichtet. Der Entwurf bezieht sich auf die Typologie der Gräber und die Struktur des Friedhofs. Fünf unregelmäßig angeordnete Stelen werden durch einen flachen Sockel zu einer Gruppe verbunden. Die Stelen nehmend die Form und die Größen der Grabsteine des Friedhofs auf. Eine sechste, freistehende Stele steht außerhalb des Sockels. Sie nimmt eine Zwischenpositionen ein: Sie steht einzeln, wie die Gräber der Umgebung, an ihrem Material und ihrer Form ist jedoch ablesbar, dass sie ein Teil des Mahnmals ist.

Um zu versinnbildlichen, dass es sich hier um Individuen handelte, deren einzige Verbindung war, dass ihre Urnen an diesem Ort vergraben worden waren, sah der Entwurf verschieden große „Grabsteine“ vor. Einige dieser Grabstein-Stelen sollten größer als die größten auf dem Friedhof vorhandenen Grabsteine sein, um darauf hinzuweisen, dass es sich hier um ein besonderes Grab, mit sehr vielen Toten, handelt. Das Denkmal verweist auch auf den Bruch, der mit dem Schicksal der Verstorbenen verbunden ist. Es verengt den Weg, man muss um es herumgehen, es „stört“. Verstärkt wird dieser Eindruck durch das Material, aus dem die Stelen gefertigt sind (Corten-Stahl).

Die Namen der Verstorbenen sind auf die beiden Hauptzugangswege hin ausgerichtet. An der dritten Seite des Mahnmals ist ein Text platziert, der an die an diesem Ort begrabenen Personen erinnert. Er ist auf einem geneigten, niedrigen Pult angeordnet. Man muss sich vorbeugen, um ihn zu lesen und verneigt sich dadurch vor den Personen, die hier liegen – ohne dies zu bemerken.

Auftraggeber:
Mauthausen Komitee Steyr, Karl Ramsmaier

Architektur | Design:
Bernhard Denkinger | Architekt

Fotos:
Stephan Matyus

Metallarbeiten:
Gradwohl, Melk