Opfergrab Lungitz
Katsdorf 2021
Bei Bauarbeiten beim Bahnhof Lungitz wurde 2018 eine 120 Meter lange Ascheschicht unter den Gleisanlagen entdeckt, die sich deutlich von üblichen Gleisunterbauten unterschied. Aufgrund der Datierung der Beifunde (Zeitraum 1930er bis 1940er Jahre) sowie der Nähe des Fundorts zu den KZ-Lagern Gusen und Mauthausen, wurde der Fund als Leichenbrand klassifiziert. In der Folge wurde die Asche aus dem Unterbau der Gleisanlagen entfernt und in der Nähe des Bahnhofs Lungitz bestattet. Der Bereich, in den die Asche eingebracht wurde, ist etwa 43 Quadratmeter groß.
Unser Projekt markiert die Stelle und macht die Lage der Asche an der Oberfläche wieder sichtbar. Der Entwurf nimmt die Topografie des Geländes auf, das nach zwei Seiten geneigt ist. Das Gelände „fließt“ unter der Installation hindurch, bis zu einer Stützwand aus Beton. Die Stützwand trägt eine Stele, die in einen Dialog mit einem bestehenden Gedenkstein tritt. Die Lage der Aschengrube wird durch einen Belag aus dunkelgrauem Basaltbruch gekennzeichnet, eingefasst von Cortenstahl dessen polygonaler Verlauf die unregelmäßigen Ränder der Aschengrube nachzeichnet.
Der Bereich, in dem die Asche liegt, wird von einem Balken aus Cortenstahl überbrückt. Diese abstrahierte „Schiene“ verweist auf den Auffindungsort und auf die Verwendung der Asche als Unterbau für Gleisanlagen. Auf der Oberseite des Balkens wurde ein kurzes Stück Eisenbahnschiene aufgebracht, ein Regelprofil der Deutschen Reichsbahn, wie es in den 1940er Jahren verwendet wurde.
Entlang der oberen Grundstücksgrenze wurde eine Hecke angepflanzt, die als visuelle Barriere zum Nachbargrundstück dient. Sie wurde auf 60 cm Höhe abgeschnitten, so dass das dahinterliegende, ansteigende Gelände einsehbar bleibt. Die Stützwand bei der Strasse wurde mit sägerauen Brettern geschalt. Hierbei wurden Bretter geringer Breite verwendet, wie sie bei den Sichtbetonwänden des Memorials Gusen in den 1960er Jahren eingesetzt worden waren.

Auftraggeber:
Bundesministerium für Inneres – Abteilung IV/3
Architektur:
Bernhard Denkinger | Architekt
Tragwerksplanung:
Gerald Gallasch
Fotografie:
Stephan Matyus
Metallbau:
Ing. H. Gradwohl, Melk
Erd- und Betonarbeiten:
Held & Francke
