Bernhard

Denkinger

Architect

Stollen der Erinnerung

Steyr 2013

Das 140 m lange, hufeisenförmige Bauwerk sollte der Zivilbevölkerung als Schutz vor Luftangriffen dienen. Zentrum der Ausstellung ist eine langgestreckte Sequenz mit zwölf Leuchtinstallationen, die das KZ-Münichholz thematisieren. Das Bauwerk wurde in seinem rohen, von den ehemaligen KZ-Häftlingen aus dem Konglomeratgestein herausgearbeiteten Charakter belassen, jedoch wurde der Boden des Stollens abgesenkt, um eine durchgängige Kopfhöhe zu ermöglichen. Als Bodenbelag wurde ein weisser, feiner Kalkriesel eingebracht.

Eine sparsame, auf das Wesentliche beschränkte Ausleuchtung mit warmtonigen „Kellerleuchten“ wechselt mit punktförmigen Lichtinseln in den bewusst dunkel gehaltenen Stollenräumen.
 Im Rundgang wechseln rhythmisch strukturierte Wegstrecken, die Bewegung suggerieren, mit ruhigen, „meditativen“ Passagen. Der Eingangsbereich und das Zentrum der Ausstellung sind durch Leuchtelemente hervorgehoben. Diese sind mit zurückspringenden Teilen und rückversetzten Nischen versehen, wodurch eine Wahrnehmung in „Schichten“ ermöglicht wird. Die sehr unterschiedlichen Dokumente, Berichte und kommentierenden Texte konnten dadurch jeweils einer eigenen, objekttypischen Ebene zugeordnet werden.

Der Zugang liegt neben einem stark frequentierten Weg. Die beiden Außentore erhielten neue Fassungen aus Stahl und Sichtbeton, die das Stollenprofil nach außen sichtbar machen. Im geschlossenen Zustand bilden die Tore halbtransparente Wände. Es gibt keine Türgriffe oder andere Zeichen des Zutritts. Die Außenbeschilderung wurde auf das Notwendigste beschränkt: ein kleines Schild mit Öffnungszeiten und ein helloranger Schriftzug auf einem aus Laserteilen gefertigten Schrift-Träger verweisen auf die Ausstellung im Stollen.

 

“A unique exhibition has been created in the brick-lined tunnel of a Second World War air-raid shelter …..“
FX Design Magazine, London, October 2015

Auftraggeber:
Verein Mauthausen Komitee Steyr (MHKS)

Idee:
Karl Ramsmaier

Wissenschaftliche Beratung:
Bertrand Perz

Inhalte:
Regina Wonisch (Kuratorin), Karl Ramsmaier (MHKS), Adele Neuhauser (MHKS) und Team

Gestaltung | Design:
Bernhard Denkinger | Architekt

Fotos:
Andreas Buchberger

Metallbau:
Gradwohl, Melk

Erd- und Betonarbeiten:
Held & Francke, Amstetten